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Zyprexa: Ein Rezept für Diabetes, Krankheit und frühen Tod
Werner-Fuss-Zentrum
2006-09-25 14:14:19 UTC
Eine Weiterleitung der deutschen Übersetzung aus: Street Spirit - Eine
Publikation des American Friends Service Committee (AFSC), August 2005.
Originaltext siehe
www.thestreetspirit.org/August2005/zyprexa.htm

Werner-Fuß-Zentrum
im Haus der Demokratie und Menschenrechte
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http://www.psychiatrie-erfahrene.de
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Von Leonard Roy Frank

Zyprexa: Ein Rezept für Diabetes, Krankheit und frühen Tod

Deutsche Übersetzung: Thomas Gotterbarm

In der Zyprexa-Gruppe gab es 20 Todesfälle, darunter 12 Selbstmorde.
Es ist skandalös, dass die wissenschaftliche Literatur diese
Todesfälle jedoch gar nicht erwähnt. Auch in den Berichten über
Ergebnisse aus Studien zu anderen Atypischen Neuroleptika wurden
Todesfälle verschwiegen. Die Zulassung dieser Medikamente durch die
amerikanische Arzneimittelbehörde Federal Drug Association (FDA) ist
empörend, denn diese Todesfälle traten in den Studien schon nach sehr
kurzer Zeit auf.
Leonard R. Frank

Am 8. Juni 2005 gab das Pharmaunternehmen Eli Lilly & Co. bekannt, man
habe sich auf 690 Millionen Dollar Schadensersatz geeinigt zur
Beilegung von rund 8000 Klagen vor Gericht, eingereicht von Menschen,
die bei der Einnahme des Neuroleptikums Zyprexa Gewichtszunahme,
Diabetes, andere Stoffwechselstörungen und Todesfälle beobachtet
hatten.

Zyprexa, Lillys meistverkauftes Medikament, wird zur Behandlung von
Schizophrenie und zur kurzzeitigen Therapie manischer Phasen bei einer
bipolaren Störung eingesetzt. 2500 weitere Kläger weigerten sich, der
Einigung mit Lilly zuzustimmen, vermutlich, weil sie den Betrag, den
jeder Kläger erhalten sollte, durchschnittlich 62.500 Dollar, für zu
gering hielten als Entschädigung für die durch Zyprexa erlittenen
Schmerzen und Qualen.

Am 21. Juli veröffentlichte Eli Lilly seine Bilanz für das zweite
Quartal 2005, aus der hervorging, dass man zur Deckung der aus diesen
Klagen erwachsenen Verbindlichkeiten 1,07 Milliarden Dollar
bereitgestellt hatte, 380 Millionen Dollar mehr als der Betrag, auf den
man sich mit den Klägern geeinigt hatte. Diese zusätzliche Summe war
zur Deckung der Verbindlichkeiten und Anwaltskosten aus jenen 2500
Klagen gedacht, wo es zu keiner Einigung gekommen war [Bericht auf
Forbes.com, Ausgabe 21.7.2005]. Da die Meldungen über die
außergerichtliche Einigung möglicherweise zu weiteren
Schadensersatzklagen führen, kann es durchaus sein, dass Eli Lilly
mehr Geld aufwenden muss, als diese vorgesehenen 1,07 Milliarden
Dollar.

Seit seiner Markteinführung 1996 haben Eli Lilly zufolge etwa 17
Millionen Menschen in 86 Ländern Zyprexa eingenommen. Es ist zwar
nicht möglich, die genaue Zahl der Opfer des Medikaments zu ermitteln,
doch lässt sich mit Gewissheit sagen, dass Zyprexa bei Millionen von
Patienten zu Diabetes und anderen Krankheiten geführt hat, und dass
Zehntausende daran gestorben sind oder vorzeitig sterben werden.

Trotz dieser Fakten haben sich die Medien mit den Schadensersatzklagen
kaum befasst. Trotz dieser Fakten war im Repräsentantenhaus oder in
den Fernsehnachrichten keine einzige Stimme der Empörung und des
Protestes zu hören. Und trotz dieser Fakten hat Eli Lilly nichts
unternommen, um die Öffentlichkeit vor den möglicherweise
verheerenden Folgen einer Zyprexa-Einnahme zu warnen, sondern scheffelt
bis heute weiterhin Profite aus dem Verkauf des Medikaments.

Zyprexa, generische Bezeichnung: Olanzapin, gehört zu einer Kategorie
von Psychopharmaka, die als Atypische Neuroleptika bekannt sind. Andere
Mittel dieser Gruppe sind Clozapin von Novartis (deutschsprachige
Handelsnamen Clopin, Clozapin, Elcrit, Froidir, Lanolept, Leponex,
Olansek - P.L.), Risperidon von Janssen (Risperdal), Quetiapin von
AstraZeneca (Seroquel), Aripiprazol von Bristol-Myers Squibb (Abilify)
und Ziprasidon von Pfizer (Zeldox).

Das erste Atypische Neuroleptikum, Clozapin, kam 1990 auf den Markt (in
Deutschland erstmals 1972, Anm. d. Übs.). Die Hersteller werben für
diese Medikamente mit der Behauptung, sie seien wirksamer und sicherer
als die herkömmlichen Neuroleptika wie Chlorpromazin (deutschsprachige
Handelsnamen Chlorazin, Chlorpromazin, Propaphenin - P.L.) oder
Haloperidol (deutschsprachige Handelsnamen Haldol, Haloper,
Haloperidol, Sigaperidol - P.L.), die seit den 1950er Jahren
erhältlich sind.

Dank einer gewaltigen Werbekampagne durch die Atypika-Hersteller setzte
sich der Glaube an diese unbewiesenen Behauptungen überall durch, mit
dem Ergebnis, dass die Pharmafirmen für die neuen Medikamente
wesentlich mehr Geld verlangen können als für die alten. Eine
Monatsration Zyprexa kostet heute etwa 380 Dollar, 10-30mal so viel wie
die Monatspackung eines herkömmlichen Neuroleptikums.

Der weltweite Neuroleptika-Umsatz ist von 500 Millionen Dollar im Jahr
1993 (fast alles herkömmliche Neuroleptika) auf mehr als 14 Milliarden
Dollar im Jahr 2004 angestiegen (13 Milliarden davon entfallen auf die
Atypika).

Seit mehr als zehn Jahren verharmlosen die Pharmahersteller beharrlich
einige der mit der Einnahme von Atypika verbundenen schwerwiegenden
Gefahren. Der Psychiater E. Fuller Torrey, einer der entschiedensten
Befürworter der medikamentösen Behandlung von Schizophrenie,
berichtete über eine der Methoden, mit der Ärzte und Öffentlichkeit
getäuscht werden:
Die Psychiater, die versuchen, ein Schizophrenie-Medikament zu
beurteilen, erfahren nicht, dass der Experte, der die Nebenwirkungen
von Zyprexa verharmlost, von Eli Lilly 10.000 Dollar Honorar erhält
und außerdem Lilly-Aktien in beträchtlichem Umfang besitzt. [American
Prospect, 15.7.2002]

Angesichts der Häufung von Hinweisen auf die Schädlichkeit dieser
Medikamente verpflichtete die FDA schließlich 2003 alle
Atypika-Hersteller dazu, die Arzneimittelpackungen wegen des erhöhten
Diabetes-Risikos mit einem entsprechenden Warnhinweis zu versehen.

Die Anwaltskanzlei Hersh and Hersh aus San Francisco, die etwa 400
Kläger gegen Eli Lilly vertritt, warf dem Pharmaunternehmen vor, es
habe bis zum Jahr 2003 "potentiell mit Zyprexa behandelten Patienten in
betrügerischer Weise wichtige Informationen vorenthalten". Eli Lilly
habe Ärzte und Patienten wider besseren Wissens nicht davor gewarnt,
dass Zyprexa zu schädlichen und unter Umständen sogar tödlichen
Nebenwirkungen durch Gewichtszunahme und Diabetes führen könne.

Eine solche Warnung hätte viele Ärzte dazu veranlasst, geringere
Zyprexa-Dosierungen zu verschreiben und regelmäßig den
Blutzuckerspiegel ihrer Patienten zu messen. Möglicherweise hätten
manche Ärzte auch ganz damit aufgehört, das Medikament zu verordnen.

Mit solchen Vorsichtsmaßnahmen hätte es zweifellos weniger durch
Zyprexa bedingte Diabetes- und Todesfälle gegeben. Ehrlichkeit zählt
jedoch nicht zu Eli Lillys Stärken, wenn der Profit auf dem Spiel
steht. Die Veröffentlichung der entsprechenden Fakten hätte ganz
gewiss den Umsatz des Kassenschlagers Zyprexa gemindert (auf Platz 5
der Liste der weltweit am häufigsten verkauften rezeptpflichtigen
Arzneimittel), der 2004 mit einem Ertrag von 4,4 Milliarden Dollar ein
Drittel des Gesamtgewinns von Eli Lilly ausmachte.

Für Eli Lillys Umsätze ist das Medikament von überragender
Bedeutung. Die Firma scheint eine regelrechte Zyprexa-Abhängigkeit
entwickelt zu haben, aus der sie nur schwer wieder herausfinden wird.
Aus den Zyprexa-Umsätzen erwirtschaftet Eli Lilly auch indirekt
Profit. Es ist eine grausame Ironie, dass das Unternehmen mit dem
Verkauf eines Medikaments, das zu Diabetes führen kann, Geld
scheffelt, während gleichzeitig vier seiner meistverkauften
Arzneimittel Diabetes-Therapeutika sind, darunter die
Insulin-Präparate Humulin und Humalog, die jeweils einen Jahresgewinn
von einer Milliarde Dollar abwerfen. Auf diese Art schafft sich Lilly
einen treuen Kundenstamm.

Patienten, Ärzte und Öffentlichkeit haben von Zyprexas beschämender
Geschichte praktisch keine Ahnung. Auf Grundlage der Ergebnisse einer
durch Eli Lilly finanzierten sechswöchigen Studie erteilte die FDA am
27.9.1996 der Firma die Genehmigung, das Medikament herzustellen und zu
vertreiben. An der Zyprexa-Studie hatten 2500 Probanden teilgenommen,
von denen zwei Drittel die Studie nicht einmal erfolgreich
abgeschlossen hatten. Von denen, die an der Studie bis zum Ende
teilgenommen hatten, erlitten 22% ernsthafte Nebenwirkungen, verglichen
mit 18% in der Vergleichsgruppe der Haldol-Probanden.

Die FDA fand heraus, dass es während der sechswöchigen Studie bei den
Probanden zu einer Gewichtszunahme von durchschnittlich einem halben
Kilogramm pro Woche gekommen war. Die Versuchspersonen, die an der
Langzeitstudie teilnahmen, nahmen pro Jahr um 13 kg zu. Zu den weiteren
Nebenwirkungen zählten Zittern, Krämpfe, Müdigkeit,
Blutzucker-Komplikationen, erhöhter Puls, Unruhe, Verstopfung,
epileptische Anfälle, Probleme mit der Leber, Störungen der weißen
Blutkörperchen und Blutdruckabfall.

In der Zyprexa-Gruppe gab es zudem 20 Todesfälle, darunter 12
Selbstmorde. Es ist skandalös, dass die wissenschaftliche Literatur
diese Todesfälle jedoch gar nicht erwähnt. Auch in den Berichten
über Ergebnisse aus Studien zu anderen Atypischen Neuroleptika wurden
Todesfälle verschwiegen.

Die Informationen über diese Todesfälle stammen aus FDA-Dokumenten,
die der Wissenschaftsjournalist Robert Whitaker ausgewertet hat. Ihm
zufolge kam auf 145 Probanden, die an Studien zu Zyprexa, Risperdal,
Seroquel und Serdolect teilgenommen hatten, je ein Todesfall [s. Mad in
America: Bad Science, Bad Medicine, and the Enduring Mistreatment of
the Mentally Ill von Robert Whitaker].

Angesichts dieser Todesfälle ist die Zulassung von 3 der 4 getesteten
Medikamente (Serdolect wurde nicht genehmigt) durch die FDA empörend,
denn die Todesfälle traten in den Studien schon nach sehr kurzer Zeit
auf. Nicht nur das Zulassungsverfahren der FDA wird dadurch
fragwürdig, sondern auch die Unparteilichkeit der Behörde.

Im Falle von Zyprexa sind Eli Lillys Verbindungen mit den beiden
Bush-Administrationen öffentlich dokumentiert. Der frühere
amerikanische Präsident George H. W. Bush saß einst im Vorstand von
Eli Lilly. Im Jahr 2000 leistete Lilly Wahlkampfspenden von insgesamt
1,6 Millionen Dollar, von denen 82% an George W. Bush und andere
Republikaner gingen. 2001 ernannte Präsident Bush Lillys früheren
stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Mitch Daniel zum Leiter der
Bundesbehörde Office of Management and Budget (Amt für Management und
Haushalt). Ein Jahr später wurde Lillys gegenwärtiger
Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer von Präsident Bush in den
neu eingerichteten Homeland Security Council (Heimatsicherheitsrat)
berufen.

Die Tatsache, dass diese Todesfälle in den in der Fachliteratur
veröffentlichten FDA-Prüfberichten über Atypika-Studien, auf die
Psychiater und andere Ärzte als Richtlinie für ihre Verschreibungen
angewiesen sind, nicht erwähnt wurden, ist ein Beweis für die
Komplizenschaft der beteiligten Pharmafirmen mit den Psychiatern, die
für diese Unternehmen Artikel verfassten, und den Chefredakteuren der
Fachpresse, die diese Artikel veröffentlichten.

In jüngster Zeit erschienen in den Medien einige Berichte über
Todesfälle durch Atypika, doch waren dies zumeist einmalige Meldungen
in einigen wenigen Zeitungen, die zu keinen Reaktionen führten. Die
gemeldeten Todesfälle waren in der Regel auf Gewichtszunahme und/oder
Diabetes zurückzuführen.

So starb z. B. im Februar 2001 der Fernfahrer Frank Olenick aus Ohio im
Alter von 40 Jahren, nachdem er in ein Diabetes-Koma gefallen war. Aus
der Klage seiner Witwe Christine Olenick gegen Eli Lilly geht hervor,
dass er Zyprexa zur Therapie von Depressionen und Entzugssymptomen
eines Schmerzmittels, mit dem er nach einem Arbeitsunfall behandelt
worden war, eingenommen hatte. Zwei Monate nach Beginn der
Zyprexa-Behandlung brachte Frau Olenick ihren kranken Ehemann in die
Klinik, wo sie von einer Krankenschwester erfuhr, dass dessen
Blutzuckerspiegel um das 15fache erhöht war, obwohl der Mann gar keine
Diabetes hatte. Eine Stunde später fiel er Frau Olenick zufolge ins
Koma und starb. [Indianapolis Star, 16.3.2003]

Der 39jährige Rob Liversidge aus Maryland wiederum hatte durch eine
Zyprexa-Behandlung seiner Manischen Depression mehr als 50 kg
zugenommen. Die durch das Übergewicht ausgelösten gesundheitlichen
Probleme beendeten seine Beamtenlaufbahn. Eine Woche bevor er nach
langer Arbeitslosigkeit eine neue Stelle antreten sollte, brach er
zusammen und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er trotz sofortiger
Behandlung ins Koma fiel und vier Tage später starb. [Baltimore Sun,
19.3.2003]

Diese beiden Fälle gelangten in die Presse. Die meisten der durch
Zyprexa verursachten Komplikationen und Todesfälle wurden jedoch
vertuscht oder als solche gar nicht anerkannt. Eine Ausnahme bildet P.
Murali Doraiswamys Bericht über Komplikationen bei
Zyprexa-Konsumenten, die er sechs Jahre lang aus eigenem Antrieb an die
FDA gemeldet hatte.

Doraiswamy, Leiter der Abteilung für Biologische Psychiatrie an der
Duke University, schrieb:
Unter den 289 Diabetes-Fällen, die mit der Einnahme [von Zyprexa] in
Zusammenhang standen, waren 225 Neuerkrankungen. 100 Patienten
erkrankten an einer Ketosis (einer schweren Diabetes-Komplikation), 22
an einer Pankreatitis, einer lebensgefährlichen
[Bauchspeicheldrüsen-]Störung. Es gab 23 Todesfälle, darunter der
eines 15jährigen Jugendlichen, der an einer Pankreas-Nekrose starb,
einer Erkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse abstirbt. Die meisten
Fälle (71%) traten innerhalb der ersten sechs Monate nach Beginn der
medikamentösen Behandlung auf und standen mit einer leichteren
Gewichtszunahme in Zusammenhang. [Pharmacotherapy, Juli 2002]

Bei älteren Menschen mit einer Demenz bestehen bei der Einnahme von
Zyprexa und anderen Atypika zusätzliche Risiken. Anfang 2005
analysierte die FDA die Befunde aus 17 placebokontrollierten Studien zu
Atypika, darunter Zyprexa. Die Behörde fand heraus, dass ältere
Patienten mit einer Demenz eine 1,6- bis 1,7fach höhere
Sterblichkeitsrate hatten als die, die Placebos erhielten. Die meisten
starben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen wie einer
Lungenentzündung.

Nach dieser Analyse verpflichtete die FDA die Atypika-Hersteller, diese
Medikamente mit einem sog. Black-Box-Warnhinweis für ältere Patienten
mit Demenz zu versehen. Black-Box-Warnhinweise sind jenen Arzneimitteln
vorbehalten, die die schwerwiegendsten Nebenwirkungen haben. [New York
Times, 12.4.2005]

Für Kinder und Jugendliche gibt es bei Zyprexa jedoch keinen solchen
Warnhinweis, und das Medikament wird jungen Menschen immer häufiger
verschrieben. Für Kinder hat das Mittel gar keine FDA-Zulassung, doch
verordnen viele Ärzte Zyprexa und andere Atypika bei Autismus,
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Hyperaktivität, sozialem Rückzug und
aggressivem Verhalten. Vor allem Kinder in Pflegeheimen sind dieser
Form des medizinischen Missbrauchs ausgesetzt.

Gewichtszunahme ist die in vieler Hinsicht beunruhigendste
Nebenwirkung, denn sie verursacht viele andere Probleme. Diese
Gewichtszunahme darf man nicht verharmlosen, wie es Dr. Alan Breier
tat, der stellvertretende Vorsitzende von Eli Lillys Verkaufsabteilung
und Leiter der Zyprexa-Arbeitsgruppe. Am 16. April 2003 erklärte er im
Indianapolis Star, Zyprexa führe, wie einige andere Neuroleptika auch,
bei etwa der Hälfte der Patienten zu Gewichtszunahme. Die richtigere
Formulierung wäre gewesen: zu extremer Gewichtszunahme.

Zudem nimmt praktisch jeder, der Zyprexa erhält, zumindest etwas an
Gewicht zu. Breier meinte auch, Übergewicht sei zwar ein Risikofaktor
für Diabetes, führe jedoch nicht zwangsläufig dazu. Das ist nicht
ganz falsch, auch Rauchen löst nicht zwangsläufig Lungenkrebs aus,
doch verursacht extreme Gewichtszunahme eben extremes Übergewicht, und
gesundheitsgefährdendes Übergewicht hat in den USA inzwischen das
Ausmaß einer Epidemie angenommen. Die Korpulenz erhöht das bei
Zyprexa ohnehin schon bestehende Diabetes-Risiko. In Amerika gibt es
heute 18 Millionen Diabetiker. Mit mehr als einer halben Million
Patienten, die Zyprexa erhalten, wird diese schon gefährliche
Situation noch verschärft.

Der folgende Auszug aus dem am 11.3.2002 in Newsweek erschienenen
Artikel von Sharon Begley, in dem Zyprexa in vieler Hinsicht positiv
gesehen wird, veranschaulicht das Übergewichtsproblem und schildert
die Wirkungen des Medikaments:
Obwohl die Stimmen und Visionen nicht immer verschwinden, ermöglichen
es die neuen Medikamente [d. h. die Atypika] den
Schizophrenie-Betroffenen, einem Beruf nachzugehen und eine Familie zu
gründen. Dennoch verstärken sie den Appetit und verändern
möglicherweise auch den Stoffwechsel, was zu dem führt, das [Richard
Wyatt, Leiter der Abteilung Neuropsychiatrie am National Institute of
Mental Health] das 'riesige Problem' der extremen Gewichtszunahme
nennt. [Donna Willey, eine für den Artikel interviewte Patientin]
nimmt mit Zyprexa pro Jahr um 10 kg zu. Wog sie vor der Behandlung 60
kg, so sind es gegenwärtig 140. Dies hält manche Patienten davon ab,
die Medikamente zu nehmen. Eine weitere Nebenwirkung ist benebeltes
Denken, ein Gefühl, als ob die Gehirnsignale sich durch Karamel
kämpfen müssten. Viele Patienten verlieren zudem Libido und Potenz.
So wirksam die neuen Medikamente auch sein mögen, sie behandeln die
Symptome, sie heilen nicht.

Reduzierte Leben, verkürzte Leben, zerstörte Leben! Welchen Nutzen
hat so viel Qual und Leid überhaupt? Eine Analyse von 52 Studien, an
denen 12.649 Patienten teilgenommen hatten, kam zu dem Schluss:
Es gibt keine eindeutigen Belege dafür, dass die Atypischen
Neuroleptika wirksamer oder verträglicher sind als die herkömmlichen
Medikamente. [John Geddes et al., British Journal of Psychiatry,
Dezember 2000]

Eli Lillys Geschäftsführung übernimmt jedoch keine Verantwortung
für die verursachten Schäden. Man entschuldigte sich nicht, man
bedauerte nichts, man leugnete lediglich weiter. Die außergerichtliche
Einigung kommentiere Eli Lillys Vorstandsvorsitzender Sidney Taurel wie
folgt:
Wir halten die Schadensersatzforderungen zwar für unbegründet, doch
haben wir uns zu diesem schweren Schritt entschlossen, weil wir denken,
dass es im Interesse der Firma, der auf dieses Medikament angewiesenen
Patienten und der Ärzte liegt. Wir wollten die erhebliche
Verunsicherung aus der Welt schaffen, die mit solchen komplexen
Gerichtsverfahren verbunden ist.

Dies waren keine beiläufigen Bemerkungen, die Aussage findet sich in
Eli Lillys Presseerklärung zu der Einigung. Eine solche Reaktion wäre
lachhaft, wäre das Thema für die Öffentlichkeit und die
Eli-Lilly-Aktieninhaber nicht so ernst. Was mögen die Aktieninhaber
wohl denken über einen Vorstandsvorsitzenden, der die Zahlung von 690
Millionen Dollar anordnet als Schadensersatz, der seiner Meinung nach
unbegründet ist?

In Anbetracht der Rentabilität von Zyprexa werden sich die
Eli-Lilly-Aktieninhaber jedoch kaum beschweren. Die
Schadensersatzzahlung fällt einfach unter die Geschäftskosten. Was
sind schon 690 Millionen oder gar 1,07 Milliarden Dollar im Vergleich
zu den vielen Milliarden Dollar Gewinn, die Zyprexa seit seiner
Markteinführung vor neun Jahren abgeworfen hat, ganz zu schweigen von
den zu erwartenden künftigen Profiten?

Wie haben sich diese jüngsten Rechtsstreitigkeiten auf den Absatz von
Zyprexa und den Eli-Lilly-Aktienkurs ausgewirkt? Im zweiten Quartal
2005 ist der weltweite Absatz von Zyprexa im Vergleich zum selben
Quartal im Vorjahr um 10% gefallen, während er in den USA um 21%
abgenommen hat. Wichtiger für die Aktieninhaber ist jedoch, dass der
Eli-Lilly-Kurs um rund 16% gefallen ist, von 67,30 Dollar Höchststand
in den letzten zwölf Monaten auf 56,32 Ende Juli 2005.

Durch die betrügerischen Geschäftspraktiken des Energiekonzerns Enron
haben viele Menschen ihre Ersparnisse verloren. Durch Eli Lillys
betrügerische Arzneimittelinformation haben noch mehr Menschen ihre
Gesundheit oder ihr Leben eingebüßt. Anders als beim Enron-Skandal
jedoch wurde keiner der Verantwortlichen von Eli Lilly verhaftet oder
eines Vergehens angeklagt. Dass der Vorstand von Eli Lilly vor Gericht
steht, wird in absehbarer Zeit kaum geschehen.

Was kann nun getan werden? Ob man es Verbrechen nennt oder Tragödie,
die Angelegenheit ist auf jeden Fall ein Problem der öffentlichen
Sicherheit von gewaltigem Ausmaß und erfordert das Eingreifen der
Regierung. Eine bloße Warnung der Patienten vor den schweren
Nebenwirkungen von Zyprexa reicht als Schutzmaßnahme nicht aus.
Als das Medikament Thalidomid (Contergan) Anfang der 1960er Jahre zu
schrecklichen Missbildungen bei Tausenden von Neugeborenen führte,
wurde es von der FDA verboten. Wie viele Menschen müssen noch sterben,
bis die Regierung sich entschließt, die Bürger durch ein Verbot von
Zyprexa zu schützen?
werner stangl
2006-09-25 20:53:38 UTC
Post by Werner-Fuss-Zentrum
Durch die betrügerischen Geschäftspraktiken des Energiekonzerns Enron
haben viele Menschen ihre Ersparnisse verloren.
es werden noch mehr werden durch die chipkartenviren, die in den
mobiltelefonen stecken:
<http://www.beesign.at/chipkartenviren/reload.html?chipkarten_virus/chipkarten-viren_schaeden.html>

dieser psychomedizinische gefahr muss man begegnen, denn
auch durch diese verlieren die menschen ihre ersparnisse!

8-}) w<>s
Ulrich Gresch
2006-09-26 06:52:30 UTC
Post by Werner-Fuss-Zentrum
Von Leonard Roy Frank
Zyprexa: Ein Rezept für Diabetes, Krankheit und frühen Tod
Obwohl ich die Hoffnung auf Rationalität in Psychotherapie und Psychiatrie
weitgehend fahren gelassen habe, erlaube ich mir zu diesem Thema doch einen
kurzen Hinweis:

1. Die wichtigste Ursache für die Muster des Verhaltens und Erlebens, denen
das Etikett "Schizophrenie" aufgeklebt wurde, ist die Traumatisierung in
früher Kindheit (körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch). Dies
allein reicht in der Regel nicht aus, um eine sog. Schizophrenie
hervorzurufen. Neben einer genetischen Disposition (manche vertragen höhere
Trauma-Dosen als andere) spielen vermutlich auch Erziehungsstile und
Verwahrlosung bzw. Missachtung kindlicher Bedürfnisse eine Rolle. Dies ist
nicht etwa meine Meinung, sondern darf inzwischen als Stand der Forschung
betrachtet werden.
2. Vor Einführung der Neuroleptika wurden "Schizophrene" u. a. mit Opiaten
behandelt. Mir klingt schon das Geschrei in den Ohren: "Opiate machen doch
süchtig!!!" Ja, ja, sicher, die Gefahr ist gegeben. Ansonsten aber haben sie
wenig Nebenwirkungen - vor allem keine derart gravierenden wie Neuroleptika
aller Arten. Und helfen Opiate denn auch gegen Schizophrenie. Es gibt kaum
noch Forschung zu diesem Thema. Aber wer sich ein wenig auskennt in der Welt
der Drogenabhängigen, der weiß, dass eine größere Zahl von ihnen an den
Symptomen der sog. Schizophrenie leidet und nicht wenige Opiate zur
Selbstmedikation dieser Störungen einsetzen. In Methadon-Programmen führt
eine regelmäßige, verlässliche und angemessene Versorgung mit der Substanz
dann auch in vielen Fällen zu einer wesentlichen Besserung der
"psychotischen Symptomatik". Das ist auch kein Wunder, denn schon die Alten
wussten, dass Opiate eine beachtliche antipsychotische Tendenz besitzen.
3. Daraus folgt: Sinnvoll wäre eine psychologische Beratung der Betroffenen,
die Trauma-Erfahrungen nicht ausklammert (oder als Irrsinn abtut), wenn die
"schizophrenen" Klienten davon sprechen - wie wirr und phantastisch auch
immer. Unterbringung nach dem Soteria-Konzept ist mitunter hilfreich. Falls
Psychopharmaka unerlässlich sein sollten, wäre zur Krisenintervention, u. U.
auch als Langzeitanwendung an Opiate zu denken. Aus meiner Sicht wären diese
Drogen, trotz Abhängigkeitsgefahr, den Neuroleptika mit all ihren aktuellen
und langfristigen, z. T. verheerenden Nebenwirkungen auf jeden Fall
vorzuziehen - zumal wir heute nach Datenlage eindeutig wissen, dass die
Langzeitbehandlung mit Neuroleptika mehr Schaden anrichtet als Nutzen
stiftet.

Gruß
Ulrich
- -
http://www.psyconcept.de
Simplicius Simplicissimus
2006-10-29 18:47:59 UTC
Post by werner stangl
Post by Werner-Fuss-Zentrum
Durch die betrügerischen Geschäftspraktiken des Energiekonzerns Enron
haben viele Menschen ihre Ersparnisse verloren.
es werden noch mehr werden durch die chipkartenviren, die in den
<http://www.beesign.at/chipkartenviren/reload.html?chipkarten_virus/chipkarten-viren_schaeden.html>
dieser psychomedizinische gefahr muss man begegnen, denn
auch durch diese verlieren die menschen ihre ersparnisse!
8-}) w<>s
Was ist denn das für 'ne schräge Seite???
Durch Ihre Empfehlung dieser Seite verliert man Zeit - das ist viel
schlimmer als Ersparnisse zu verlieren.
Also bedenken Sie zukünftig, welche Empfehlungen Sie hier aussprechen -
denn daran werden Sie gemessen, Herr Stangl!
werner stangl
2006-10-30 06:47:05 UTC
Post by Simplicius Simplicissimus
Durch Ihre Empfehlung dieser Seite verliert man Zeit - das ist viel
schlimmer als Ersparnisse zu verlieren.
ich fürchte, es liegt weniger an dieser seite als an der
geschwindigkeit ihrer reizleitungen ;-)

8-}) w<ranvierzuenggeschnürt?>s